Leerstandmanagement - Belebung der Ortskerne

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Gießener-Zeitung 4.6.14

Christel Hölscher

 

140514 av A3 2Pohlheim ( ) Dr. Andreas Viertelhausen, Bürgermeisterkandidat in Pohlheim, begrüßte zum Themenabend „Leerstandsmanagement“ seinen FW Kollegen und hauptamtlichen Baudezernenten in der Stadt Wetzlar, Harald Semler, Mittwochabend im Dorf-Güller Mehrzweckgebäude. Anknüpfend an Viertelhausens Worte: “Einer Kommune geht es gut, wenn es ihren Bürgern gut geht“, begann Semler sein Referat, bei dem die Gäste immer wieder Zwischenfragen stellten und sich so eine gute Gesprächsrunde mit vielen Informationen entwickelte, die deutlich länger als geplant dauerte. „Verbünde dich mit dem Unvermeidlichen und du wirst bei dem stetigen Wandel konstruktiv besser mitarbeiten können“, war eine der Erfahrungen aus Semlers Zeit als Bürgermeister in Bischoffen. Für sechzig Bauplätze gab es zum Beispiel  zweihundert Bewerber. Was tun mit den 140 „erfolglosen“ Bewerbern? Leer stehende Häuser boten und bieten Alternativen für Bauwillige, wenn das Interesse durch günstige Konditionen geweckt werde. In Dautphetal wurden so durch ein „Förderprogramm für Selbstnutzer“ zahlreiche einzelne Maßnahmen durch Zuschüsse bis jeweils zehntausend Euro realisiert. Leerstände seien nicht nur Thema bei kleinen Kommunen sondern bereiten auch Städten wie Wetzlar oder Frankfurt Probleme. So habe Semler über längere Zeit Kontakte zu Ikea geknüpft, um Leerstände neu zu besiedeln. Nachdem dies geklappt habe, verzeichnet er einen Stimmungswandel in der Stadt und „das Verhalten von uns allen ist anders geworden“. Für solche Programme brauche es neben den politischen Mehrheiten das gemeinschaftliche Engagement der Bürger. Der Bürger müsse das Gefühl haben „Hier bin ich zu Hause“, das motiviere. Die Gemeinde selbst könne gezielte Impulse setzen und mit einem „Leerstandsmanagement“ die Infrastruktur fördern. Am Beispiel Wetzlar erläuterte er, wie die Kommune auf der Basis von Verwaltungsdaten Maßnahmen für die städtebauliche Zukunft in die Wege leite. Globale Rezepturen gäbe es leider nicht. Die Individualversorgung im Raum Wetzlar habe sich im Wandel der Zeit zentral entwickelt. Damit die einzelnen Stadtteile nicht abgehängt würden, verkehren Busse im ein Stunden Takt und binden damit die Randbereiche gut an die Innenstadt an. Verkehr, Industrie und Handel gehören zusammen, entwickeln dann wiederum durch akustische Belastungen und weitere Emissionen Probleme für betroffene Einwohner. Die anschließende Diskussion zeigte das große Interesse der Besucher an der Umsetzung der Ideen. Der Vorsitzende der Freien Wähler Pohlheim, Andreas Schuch, fragte, was die Kommune besser machen könne und wie Geldmittel zu generieren seien. Er klagte, dass die Umsetzung der Theorie in die Praxis mit vielen Hürden verbunden sei, das Konzept habe oft Resignation hervorgerufen. Mit großer Sorge blicke er auf den gefährlichen Zustand mancher Privathäuser. Reiner Dern, Stadtverordneter in Lich,  kritisierte das Dilemma, vor dem auch betroffene Licher Bürger stünden, die wirtschaftlich unrentable Gebäude wie Scheunen und Stallungen mit hohem finanziellen Aufwand erhalten müssten, ohne eine Abriss- und Neubaugenehmigung zu erhalten. Harald Semler empfahl vor allem kommunale Förderprogramme mit einem entsprechenden Finanzvolumen und Geduld im Dialog mit den Bürgern. Außerdem müsse der Denkmalschutz mit ins Boot geholt werden. Ein Umdenken sei dringend nötig und die alten Scheunengürtel der Dörfer bedürften einer deutlichen Neubetrachtung.

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